South Improvement Company

Die South Improvement Company war im Jahr 1872 ein Zusammenschluss von rohölverarbeitenden Betrieben mit Rohöl und Ölprodukte transportierenden Eisenbahngesellschaften in Nordamerika. Ziel war es, eine marktbeherrschende Stellung zu erlangen. Dies sollte hauptsächlich durch eine Rabatt-Gewährung auf die Transportleistung erreicht werden. Durch den Ausschluss der Öl-Produzenten aus dem Kartell fühlten diese sich übervorteilt und stellten aus Protest für 40 Tage die Öl-Lieferungen an die Mitglieder der South Improvement Company ein. Diese Verweigerung wird als Öl-Krieg von 1872 bezeichnet.

Der Sezessionskrieg war 1865 mit dem Sieg der Truppen der Nordstaaten zu Ende gegangen. Die Reconstruction, der Wiederaufbau und die Neugliederung der Staatengemeinschaft, dauerten bis 1877. Im Rahmen dieses Neuanfangs wurden zahlreiche Eisenbahnlinien gebaut: Während der gesamten Zeit stieg der Warenverkehr an und die Frachtraten fielen.
Im August 1859 wurde von Edwin L. Drake in der Nähe von Titusville, Pa., das erste Mal erfolgreich nach Erdöl gebohrt. Zu diesem Zeitpunkt kostete das Barrel Rohöl 20 US-Dollar.:383 Angezogen von den großen Profitmöglichkeiten, entstanden in den Folgejahren im mittlerweile als “Oil Creek” (deutsch Öl-Bach) bezeichneten Gebiet zahllose Fördertürme.:3-28:69-112 Die Rohöl verarbeitende Industrie, die Raffinerien, hatte sich bis 1865 gebildet. Der Großteil befand sich damals in der “Oil Creek”-Region.:51 Aufgrund der großen Gewinne in der neuen Industrie bildeten sich auch fernab von der Öl-Region Raffinerie-Zentren aus: New York, Cleveland, Pittsburgh, Philadelphia etc.:65:87 Diese neuen Zentren mussten neben den Kosten für Rohöl, Raffinieren, Transport der Öl-Produkte zu den Kunden zusätzlich Aufwendungen für die Anlieferung des Rohöls in die Raffinerien aufbringen. Diese fernen Zentren bildeten sich an Orten, die andere Vorzüge hatten: New York hatte den kurzen Weg zu den Absatzmärkten des Ostens der USA, Cleveland den Anschluss nach Westen und für 8 Monate im Jahr den preisgünstigen Transport über die Wasserwege der großen Seen.:38 Insgesamt waren in den Anfangsjahren für die laufende Produktion die Transportkosten die dominierenden Aufwendungen.:57
Die hohen Gewinne aus der Öl-Raffination führten zu einer kurzfristigen Amortisierung der Investitionen, jedoch auch zu einem beschleunigten Ausbau der Kapazitäten u.a. durch neue Marktteilnehmer. Bedingt durch den technologischen Fortschritt konnte die Effektivität des Raffinierungs-Prozesses sowohl gemessen in erzeugter Produktmenge pro eingesetzter Menge Rohöl als auch in Prozesskosten gesteigert werden. Die Größe einer kostenmäßig optimalen Raffinerie steigerte sich durch diese Entwicklung um mehr als eine Größenordnung. Hierdurch wurden alte Anlagen innerhalb von wenigen Jahren unwirtschaftlich. Insgesamt bestand zum Jahreswechsel 1871/1872 ein großes Überangebot an Raffineriekapazität.:59 Zeitweise war für jedes produzierte Barrel Ölprodukte die Kapazität für 3 Barrel vorhanden.:54
Zwischen 1869 und 1871 wurde die Menge an in Cleveland raffiniertem Öl mehr als verdoppelt: von 776.356 Barrel auf 1.640.499 Barrel.:50 Bereits 1869 war Cleveland, vorbei an New York und vor allem Pittsburgh, zum größten Raffineriezentrum aufgestiegen.:39 Von den 10- bis 12.000 Barrel, die dort täglich erzeugt wurden, hatte Standard Oil mit 1.500 den größten Anteil.:49
Neben den Geschäftsleuten in Cleveland sorgten sich auch die in Pittsburgh und Philadelphia über die steigende Kapazitäten der Raffinerien in der Öl-Region::53 1870 wurden in der Öl-Region täglich knapp 10.000 Barrel Öl-Produkte erzeugt, fast so viel wie in Cleveland.:51
Aufgrund der erwarteten großen Frachtmengen in einer neuen Industrie bauten mehrere Eisenbahngesellschaften ihr Schienennetz zwischen 1860 und 1870 in Richtung auf die Öl-Region aus (siehe Karte). Die durch den Ausbau bereitgestellten Schienentransportkapazitäten übertrafen die benötigte Transportleistung bei weitem.
Die Eisenbahngesellschaften hatten ein Eigeninteresse, die Wertschöpfung in der Öl-Region durch den Aufbau von zusätzlichen Raffinerie-Kapazitäten zu verhindern: Sie verdienten bei den Raffinerien in Cleveland, Pittsburgh, Philadelphia und New York doppelt, erst durch den Transport des Rohöls, dann durch die Beförderung der Raffinerieprodukte.:52
Der Bau einer Eisenbahnstrecke bindet sehr große finanzielle Mittel, deren Einsatz sich erst über Jahre oder gar Jahrzehnte rechnet. Die Frachtraten werden so ermittelt, dass neben den Betriebskosten für die Fahrt auch anteilig die Infrastrukturkosten Berücksichtigung finden. Rabatte auf die Frachtraten wurden z.B. für die Nutzung eigener Waggons (Tankwagen im Fall von Standard Oil) oder die Zusammenstellung ganzer Züge gewährt. Für das aktuelle Firmenergebnis kann es für die Eisenbahnlinie jedoch auch sinnvoll sein, für eine zusätzliche Fracht nur diese Zusatzkosten, d.h. die variablen Kosten ohne die Infrastrukturkosten, zu berechnen: Das Unternehmen hat dann durch diesen zusätzlichen Transport immer noch einen größeren Gewinn als ohne diesen. Die gleiche Argumentation kann auch für einen zusätzlichen Zug angewandt werden. Aufgrund der hohen Investitionskosten und damit des hohen Anteils an Infrastrukturkosten an den Frachtraten, sind die über den Ansatz der „zusätzlichen Fracht“ erwirkbaren Rabatte sehr hoch, teilweise jenseits von 50 Prozent. Die schlechte finanzielle Situation der Eisenbahngesellschaften zwang diese häufig zur Konkursabwendung entsprechende Rabatte zu gewähren. Es ist auch diese angespannte finanzielle Situation des Eisenbahnsektors, die immer wieder zu Konsolidierungen, Poolabsprachen und dem Ruf nach Regulation und finanzielle Unterstützung durch die Regierung führte.:1f. Aufgrund dieser Nähe zu Regulation und Unterstützung wurden die Eisenbahnen als Transportmittel der Allgemeinheit (engl.: common carrier) angesehen, die nicht das „moralische Recht“ hatten in ihren Preisen und Frachtraten zwischen den unterschiedlichen Auftraggebern zu differenzieren.:49 Diese „Pflicht“ zur Gleichbehandlung war jedoch nicht in verbindliche Gesetzestexte gegossen und die Eisenbahngesellschaften machten im Allgemeinen starken Gebrauch von sogenannten draw backs, Zurückzahlungen auf geleistete Frachtraten. Die Grundlage für diese Zahlungen war nicht nur die beförderte Frachtmenge, sondern auch unternehmenspolitische Überlegungen: So wurde zum Teil der Transport von Rohöl aus der Öl-Region subventioniert, der Transport von Raffinerieprodukten zu den Absatzmärkten jedoch nicht.:48-49 Auch systematische Auskünfte über die von konkurrierenden Unternehmen in Anspruch genommene Transportleistungen gehörten zum Rabattsystem.
Das Legen einer Pipeline aus der Öl-Region zu den Raffinerien war in den Anfangsjahren technologisch noch nicht möglich. Die ersten Pipelines (1865) waren aus Holz, hatten eine geringe Förderkapazität und konnten nur kurze Strecken überbrücken.:18:56 1878 wurde der Bau einer Rohöl-Pipeline, die aus der Öl-Region herausführte, begonnen.:Chpt. 9
Der Schifftransport von Rohöl zu den Raffinerien wurde in der Öl-Region z.T. mit flachen Schuten durchgeführt.:56 Der Bach (engl. Creek) durch die Region war jedoch selbst für die flachen Raddampfer nicht befahrbar.:56 Vielmehr musste der Creek selbst für die Schuten regelmäßig gestaut werden. Die Großen Seen wurden z.B. von den Raffinerien in Cleveland für den Transport von Öl-Produkten genutzt. Die dabei zu zahlenden Frachtraten waren in der Regel 50 Prozent der Eisenbahnraten.
1870 betrug der Anteil von Standard Oil am Markt für Raffinerieprodukte vier Prozent.:58 Durch die Überproduktion von Rohöl, ein Überangebot an Transport- und Raffinerieleistung war der Markt für Ölprodukte gesättigt und es kam zu einem Preisverfall.:54
Zeitgleich wurden immer größere Rohölmengen ins Ausland transportiert: Innerhalb von 12 Jahren nach seiner Entdeckung wurden Rohöl und Öl-Produkte das viertwichtigste Exportgut der Vereinigten Staaten. Die Auslandsmärkte verlangten immer häufiger nach Rohöl, um die Raffinerien im eigenen Land aufzubauen. Frankreich führte sogar eine Extra-Steuer für amerikanische Raffinerieprodukte ein.:54
Zu diesem Zeitpunkt und nur einen Tag vor der konstituierenden Sitzung der South Improvement Company erhöhte die Standard Oil Company of Cleveland in einem einstimmigen Beschluss ihr Grundkapital von einer Million US-Dollar auf 2,5 Millionen US-Dollar. Neben den ursprünglichen fünf Anteilseignern (John D. Rockefeller, Henry M. Flagler, Samuel Andrews, Stephen V. Harkness und William Rockefeller):Appendix 2 kamen fünf weitere hinzu: Die Anwälte O. B. Jennings und Benjamin Brewster sowie die Eisenbahngesellschafter Truman P. Handy, Amasa Stone und Stillman Witt.:63:Appendix 6:Appendix 24
John D. Rockefeller soll, ausgestattet mit den nötigen finanziellen Mitteln und zumindest einer genauen Vorstellung dessen, was die South Improvement Company einmal erreichen sollte, mit jedem einzelnen, der mit ihm in Cleveland konkurrierenden Raffineriebesitzer Verhandlungen über die Übernahme von dessen Raffinerie geführt haben. Er zielte dabei nicht primär auf ein Aufkaufen der Betriebe, sondern auf eine Eingliederung in Standard Oil ab: Den Raffineriebesitzern wurde für den Zeitwert ihrer Anlagen statt Geld bevorzugt ein Anteil an Standard Oil angeboten.:63 Ein Großteil der Kritik an dem Vorgehen Rockefellers entzündete sich an der Bestimmung des Zeitwertes, der, wie eingangs dargelegt, aufgrund der Marktsituation just zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall geringer als die aufgewandten Investitions- und Instandhaltungskosten war. Nicht alle Betriebe wurden von Standard Oil weitergeführt, sondern manche abgerissen, zahlreiche wurden auch modernisiert. In dieser Zeit gingen 21 der 26 Raffinerien in Standard Oil auf,:63 die Raffineriekapazität von Standard Oil stieg innerhalb von 3 Monaten auf 10.000 Barrel pro Tag.:69:85
In dieser angespannten Situation am Ölmarkt (Überangebot an Rohöl, Transportleistung, Raffineriekapazität und Raffinerieprodukten, sowie dem steigenden Export von Rohöl), kamen Raffineriebesitzer aus Pennsylvanien auf die Idee sich im Geheimen mit anderen Raffineriebesitzern und den Öl transportierenden Eisenbahngesellschaften abzusprechen, um Rabatte auf die in Anspruch genommene Transportleistung auszuhandeln sowie Draw Backs, Rückzahlungen, für die Transportleistung der Nicht-Mitglieder zu erhalten. Falls sich ein solches geheimes System durchsetzten lassen würde, wäre ein Raffineriebetrieb außerhalb des Bundes nicht rentabel. Mit anderen Worten, der Markt für Raffinerieprodukte würde monopolisiert werden, der spekulative Charakter des Ölgeschäfts wäre ausgeschaltet. Neben dieser Hauptabsprache sollte von den Beteiligten noch eine Anpassung der Raffineriekapazität an die Marktnachfrage beschlossen werden. Des Weiteren sollten die Eisenbahngesellschaften überredet werden, kein Rohöl für den Export zu transportieren.:55 In seiner Aussage vor dem Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses, im Jahre 1888, betont Henry M. Flagler, dass weder er oder John D. Rockefeller noch sonst jemand von der Standard Oil Company an das System der South Improvement Company geglaubt habe. Erst als Peter H. Watson von der Lake Shore and Michigan Southern Railroad und zahlreiche Beteiligte aus Philadelphia und Pittsburgh von dem Unternehmen überzeugt waren, habe man zwar für Anteile unterschrieben, für diese jedoch nie gezahlt.:Appendix No. 4
Die Vorgespräche zur Gründung eines Geheimbundes begannen im Herbst 1871. Der Name South Improvement Company lässt keinen Rückschluss auf das Unternehmensziel zu, es handelte sich um eine Unternehmenshülle, d.h. einen Unternehmensnamen mit einem entsprechenden Registereintrag, die bei einer Liquidation schnell und ohne Aufsehen zu erwerben war. Bereits am 2. Januar 1872 kamen die Anteilseigner in Philadelphia zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen. Alle hatten bei ihrer Ehre als Gentlemen versprochen über die Absprachen Stillschweigen zu wahren.:56-57
Nach intensiver Diskussion wurde aufgrund des Drucks der Eisenbahngesellschaften festgelegt, dass jeder Raffineriebesitzer Mitglied der South Improvement Company werden konnte.:59 Die Eisenbahngesellschaften hatten kein Interesse daran auch nur einen aktuellen Raffineriebesitzer aus dem Öl-Markt auszuschließen, neuen Raffineriebesitzern sollte jedoch der Marktzugang verwehrt werden.:57
Insgesamt wurden 2000 Anteile von jeweils 100 US-Dollar an der South Improvement Company aufgeteilt:
Es sei angemerkt, dass die Mitglieder der South Improvement Company bei ihrer Gründung zusammen nur ungefähr zehn Prozent der Raffineriekapazität der Vereinigten Staaten vertraten.:58
Die South Improvement Company schloss noch im Januar 1872 Verträge mit drei Eisenbahngesellschaften::59
Die Verträge legten die Frachtraten und Rabatte von allen Rohölverladepunkten (engl. common points) in die Raffineriezentren von New York, Philadelphia, Baltimore, Pittsburgh und Cleveland fest. So betrug die publizierte Frachtrate für ein Barrel von der Öl-Region nach New York $2,56, worauf die South Improvement Company einen Rabatt von $1,06 erhielt. Wobei es kein Rabatt im eigentlichen Sinne war, denn die South Improvement Company erhielt die Vergütung von $1,06 für jedes auf dieser Linie transportiertes Barrel Rohöl, egal ob der Auftraggeber Mitglied war oder nicht. Entsprechende Zahlungen waren für alle Transporte von Rohöl und Öl-Produkten durch eine der drei Eisenbahngesellschaften an die South Improvement Company zu zahlen.:61 Weiterhin verpflichteten sich die Eisenbahngesellschaften täglich die vollständigen Frachtbriefe für transportiertes Öl an die South Improvement Company zu senden.:61
Die Eisenbahngesellschaften sahen ihren Vorteil in dem gesicherten Transportaufkommen und damit der wegfallenden Konkurrenz untereinander: Durch die Verträge wurde die Fracht der South Improvement Company zwischen den Eisenbahngesellschaften aufgeteilt: Die Pennsylvania Railroad sollte 45 Prozent, die beiden anderen Gesellschaften jeweils 27,5 Prozent befördern.:62
Mitte Februar kamen in der Öl-Region die ersten Gerüchte über eine Geheimorganisation auf, die die Frachtraten kontrolliert. Am 19. Februar 1872 wurden ohne Vorwarnung die Frachtraten für einen Transport aus der Öl-Region nach Buffalo von 40 Cent je Barrel Rohöl auf 65 Cent angehoben. In den nächsten Tagen folgten die Raten für die anderen Raffineriezentren. Als am 26. Februar die Morgenzeitungen in der Öl-Region über die Anhebungen der Frachtraten berichteten und auch noch darlegten, dass die Mitglieder der South Improvement Company von den Erhöhungen ausgenommen waren, zogen die Einwohner auf die Straße. 24 Stunden später versammelten sich 3000 von ihnen im Opernhaus von Titusville. In Oil City wurde drei Tage später die Petroleum Producers’ Union gegründet und beschlossen für 60 Tage keine neuen Quellen mehr zu erschließen, sonntags nicht mehr zu fördern und kein Öl an Mitglieder der South Improvement Company zu liefern, sondern die Raffineriebesitzer in der Öl-Region zu unterstützen. Weiterhin wurde eine Gruppe zum Repräsentantenhaus, mit dem Auftrag die Gründung der South Improvement Company zu annullieren, geschickt.:72
Die Eisenbahngesellschaften waren von den Maßnahmen der Petroleum Producers’ Union weniger betroffen als die Raffineriebesitzer. Jedoch fürchteten die Eisenbahner den Free Pipe-Line Bill, der für den Pipelinebau die gleichen Wegerechte wie für das Schienennetz der Eisenbahnen forderte: Ein Pipeline-Netz würde empfindlich in den Frachtverkehr der Eisenbahnen eingreifen, und vor allem die Pennsylvania Railroad hatte in der Vergangenheit erfolgreich gegen die Gesetzesänderung gekämpft.:72 Am 25. März 1872 einigten sich die Eisenbahngesellschaften mit der Petroleum Producers’ Union über neue Frachtraten, deren Änderung dem Präsidenten der Petroleum Producers’ Union mindestens 90 Tage vorher angezeigt werden musste.:Appendix 13:Chapter 3
Am 28. März 1872 zogen die drei an der South Improvement Company beteiligten Eisenbahngesellschaften ihre Verträge zurück. Fast zeitgleich entzog das Repräsentantenhaus von Pennsylvania der South Improvement Company ihre Gründungscharter und damit die Legitimität.:94 Die Rohöl-Lieferblockade gegen Standard Oil wurde erst von einzelnen Öl-Brokern umgangen. 40 Tage nach Beginn der Blockade wurde diese aufgehoben. Auf Anfrage der Petroleum Producers Union antwortete John D. Rockefeller am 8. April 1872, dass Standard Oil keine Verträge mehr mit den Eisenbahngesellschaften habe und alle Verträge der South Improvement Company mit den Eisenbahngesellschaften aufgelöst worden sein.:96
Der Kongressausschuss für Handel urteilte in seinem Abschlussbericht über die South Improvement Company am 7. Mai 1872, dass es sich um eine der größten und gefährlichsten Verschwörungen gehandelt habe, die jemals unternommen wurde.:103 Trotz Zerschlagung der South Improvement Company gab es in der Zeit danach ein kontinuierliches Misstrauen zwischen den einzelnen beteiligten Industriezweigen, der Gründungs-Enthusiasmus der Ölindustrie war verflogen.:97
Mr. Flagler äußerte sich vor dem Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses 1888 dahingehend, dass nach seinem Ermessen die South Improvement Company niemals auch nur ein Geschäft über einen Dollar abgewickelt hat. Sie habe nur als formale Hülle existiert, obwohl der Präsident der South Improvement Company mehrere Kontrakte mit Eisenbahngesellschaften abgeschlossen hatte, die jedoch nach ein paar Wochen in gegenseitigem Einverständnis vernichtet oder für ungültig erklärt wurden.:Appendix No. 4 Die Informationen über den Umsatz und die Liefermengen ihrer Konkurrenten erhielt Standard Oil in der Zeit nach dem Öl-Krieg von 1872 auf die gleiche Art und Weise wie zuvor: Durch systematische Erfassung von Waggon- und Zugbewegungen von Rohöl und Öl-Produkttransporten sowie durch gezieltes Nachfragen bei den Geschäftspartnern der Konkurrenten.

Zumtobel

Die Zumtobel Group mit Sitz in Dornbirn, Österreich, beschäftigt sich mit Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Lichttechnik. Das Unternehmen bietet Lichtlösungen, Leuchten, Lichtmanagement und Lichtkomponenten für Anwendungen im Innen- und Außenbereich an.

In den letzten Jahren hat die Zumtobel Group Großprojekte wie die Beleuchtung der BMW-Werke in Berlin und Leipzig sowie die des Airbus-Werkes in Bremen und der neuen Unternehmenszentrale des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim realisiert.
Des Weiteren wurde die Erweiterung des Beijing International Airport in Volksrepublik China sowie Teile des Burj Khalifa in Dubai, das Emirates Palace in Abu Dhabi, die Bolte Bridge in Melbourne, Australien und die Cathedrale la Seu auf Mallorca, Spanien mit innovativen Lichtlösungen ausgestattet. Aktuelles Projekt ist der neue Skylink-Terminal am Flughafen Wien. Der 10,0 Mio. EUR umfassende Auftrag ist der größte in der Firmengeschichte.
Gemäß Jahresabschluss zum 30. April 2015 (Geschäftsjahr 2014/15; Geschäftsjahr jeweils: 1. Mai bis 30. April) belief sich der Umsatz auf 1.312,6 Mio. EUR, das Ergebnis aus dem operativen Geschäft (bereinigtes EBIT) betrug 66,5 Mio. EUR und das Jahresergebnis 11,9 Mio. EUR.
Die Unternehmensgruppe gliedert sich in drei Geschäftsfelder: die Zumtobel Lighting Division für das Leuchtengeschäft mit den Marken Zumtobel und Thorn sowie der OEM-Marke Reiss Lighting und die Tridonic Division für das Komponentengeschäft. 2009 kam die LED-Division hinzu, in der die bisherigen LED Start-ups zusammengefasst wurden (Marke LEDON). LEDON wurde 2013 rückwirkend zum 1. November 2012 an den österreichischen Unternehmer Thomas Lorünser verkauft.
Zumtobel ist der europäische Marktführer im Bereich professioneller Beleuchtungssysteme und europaweit die Nummer zwei im Bereich der Lichtkomponenten.
Der Konzern besitzt Produktionsstätten in Europa, Asien, Nordamerika und Australien sowie Vertriebsgesellschaften und Partnergesellschaften in über 70 Ländern.
Stand: 25. Juni 2015
Die Zumtobel-Gruppe geht auf das im Jahr 1950 von Walter Zumtobel (1907–1990) gegründete Unternehmen Elektrogeräte- und Kunstharzpresswerk W. Zumtobel zurück, das Vorschaltgeräte für Leuchtstoffröhren produzierte.
1953 wurde die Zumtobel-Leuchte Profilux am Markt eingeführt, sie gewann 1963 den Designpreis (FER Einbauleuchte).
Das Unternehmen war von 1956 bis 1979 Lizenznehmer der Lichttechnischen Spezialfabrik Dr. Ing. Schneider & Co. Es erhielt 1976 die Staatliche Auszeichnung, die das Führen des Bundeswappens im Geschäftsverkehr erlaubt. Im selben Jahr wurde der Konzern in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.
1991 erfolgte die Unterteilung in die beiden Geschäftsfelder Leuchten (damals Zumtobel Licht) und Lichtkomponenten (damals Tridonic-Bauelemente). 1993 erwarb man dann die Mehrheit der Anteile an der deutschen Staff-Gruppe in Lemgo, 1994 erfolgte die vollständige Übernahme.
Im Jahr 2000 wurde mit Hilfe der Eigenkapitalpartner Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) die britische Wassall plc übernommen und die Thorn Lighting Group mit dem Leuchtengeschäft von Zumtobel fusioniert, das Komponentengeschäft von Thorn wurde in die Tridonic Division überführt.
Seit 2005 werden die LED-Aktivitäten weiterentwickelt. Die Lexedis Lighting in Jennersdorf wurde als Joint-Venture für Hochleistungs-LED-Lichtquellen von Tridonic Optoelectronic (einem Joint Venture von Tridonic und Lumitech sowie einem Spin off der Universität Graz) und Toyoda Gosei gegründet. Die LEDON Lamp GmbH (Dornbirn) ist eine 100%ige Tochter der Zumtobel-Gruppe für LED-Applikationen.
Im Mai 2006 ging die Zumtobel Gruppe an die Wiener Börse. Im September 2006 wurde die Zumtobel-Aktie in den ATX aufgenommen. KKR verkaufte seinen nach dem Börsengang noch verbliebenen Anteil von 5,5 Prozent im Dezember 2006 außerbörslich an einen institutionellen Investor. Dabei handelte es sich offenbar um Delta Lloyd Asset Management NV. Jedenfalls teilte Zumtobel am 11. Mai 2011 in einer Pflichtmitteilung zur Aktionärsstruktur mit, dass Aviva plc nicht mehr Zumtobel-Aktionär sei, nachdem dessen Mehrheitsbeteiligung an „Delta Lloyd“ beendet worden sei. Delta Lloyd hielt zu diesem Zeitpunkt 6,778 % der 43,5 Mio. Anteilscheine, „Fidelity“ wenige Tage später 9,99 %.
Mit Wirkung zum 24. September 2012 ist die Zumtobel-Aktie aus dem ATX ausgeschieden, sie wird seit diesem Zeitpunkt im Prime-Markt gehandelt.
Durch Kaufvertrag vom 2. März 1979 ging die Fabrik der Dr.-Ing. Schneider & Co. in Usingen in das Unternehmen über und mit Vertrag vom 28. März 1979 auch der Geschäftszweck.
Der Zumtobel Group Award (Zumtobel Group Award for Sustainability and Humanity in the Built Environment) wird seit 2007 alle zwei Jahre an Architekten und Ingenieure verliehen und ist 2012 mit 140.000 € dotiert.
Agrana Beteiligungs-AG | Andritz AG | AMAG Austria Metall AG | Austria Technologie & Systemtechnik AG | BUWOG AG | Conwert Immobilien Invest AG | Cross Industries AG | Do & Co Restaurants & Catering AG | Erste Group | EVN AG | FACC AG | Flughafen Wien AG | Immofinanz AG | Kapsch TrafficCom AG | Lenzing AG | Mayr-Melnhof Karton AG | Österreichische Post AG | OMV AG | Palfinger AG | Polytec | Porr AG | Raiffeisen Bank International AG | RHI AG | Rosenbauer International AG | Schoeller-Bleckmann AG | Semperit Holding AG | Sparkassen Immobilien AG | Strabag SE | Telekom Austria AG | UNIQA Versicherungen AG | Valneva SE (Intercell) | Verbundgesellschaft AG | Vienna Insurance Group AG | voestalpine AG | Warimpex Finanz- und Bet. AG | Wienerberger AG | Wolford AG | Zumtobel AG
Andritz AG | AT&S Austria Technologie & Systemtechnik | BUWOG AG | CA Immobilien Anlagen AG | Conwert Immobilien Invest SE | Erste Group Bank AG | Immofinanz AG | Lenzing AG | Österreichische Post AG | OMV AG | Raiffeisen Bank International AG | RHI AG | Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG | Telekom Austria AG | Uniqa Insurance Group AG | Verbund AG | Vienna Insurance Group AG | Voestalpine AG | Wienerberger AG | Zumtobel AG
47.40769.7354Koordinaten: 47° 24′ 27″ N, 9° 44′ 7″ O

Robert Osserman

Robert Osserman (* 19. Dezember 1926 in New York City; † 30. November 2011 in Berkeley) war ein US-amerikanischer Mathematiker, der sich mit geometrischer Funktionentheorie, Differentialgeometrie und Minimalflächen beschäftigte.

Osserman, geboren 1926 in New York City, besuchte die Bronx High School of Science, studierte an der New York University und (nach zwischenzeitlichem Wehrdienst) an der Harvard University (sowie in Paris und Zürich), wo er 1955 bei Lars Ahlfors promoviert wurde, mit einer Arbeit über das Typenproblem riemannscher Flächen (Contributions to the problem of type). Danach war er an der Stanford University, wo er für den Rest seiner Laufbahn blieb und auch emeritierte. Daneben war er als Gastprofessor in Harvard, am Courant Institute of Mathematical Sciences of New York University, als Fulbright Lecturer an der Universität Paris, 1976 als Guggenheim Fellow an der University of Warwick und Leiter der Abteilung Mathematik am Office of Naval Research. 1973 bis 1979 war er Chairman des Mathematik-Departments in Stanford. 1987 wurde er dort Mellon Professor of Interdisciplinary Studies. Seit 1990 war er (in Teilzeit) Deputy Director am MSRI, wo er auch seit 1995 als Special Projects Director für verschiedene Öffentlichkeitsarbeiten zuständig war.
Osserman beschäftigte sich vor allem mit Minimalflächen vom Standpunkt konformer Geometrie, aber auch mit isoperimetrischen Ungleichungen und Ergodentheorie. 1970 zeigte er, dass das Plateau-Problem Lösungen ohne Singularitäten hat (unabhängig zeigte dies auch Robert Gulliver 1973).
1985 gab er einen einfachen Beweis des Vier-Vertex-Theorems, dass jede einfache geschlossene Kurve in der Ebene außer dem Kreis mindestens vier Extrema (Maxima/Minima) hat (der erste Beweis stammt von Adolf Kneser 1912).
In Stanford entwickelte er auch neue interdisziplinäre Mathematikkurse, teilweise ausgearbeitet in seinem populärwissenschaftlichen Buch Geometrie des Universums (mathematische Anwendungen in der Kosmologie). Er erhielt den Distinguished Teachers Award der Stanford Universität.
Er erhielt den Lester R. Ford-Preis der Mathematical Association of America (MAA) und 2003 den Communications Award des Joint Policy Board for Mathematics (JPBM) für seine populärwissenschaftlichen Schriften. 1978 war er Invited Speaker auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Helsinki (Isoperimetric inequalities and eigenvalues of the Laplacian).
Zu seinen Doktoranden zählen H. Blaine Lawson und David Hoffman.

Amt Winzenburg

Das Amt Winzenburg war ein historisches Verwaltungsgebiet des Fürstentums Hildesheim bzw. des Königreichs Hannover.

Das Amt geht auf die wohl in fränkischer Zeit errichtete gleichnamige Burg Winzenburg südöstlich von Alfeld (Leine) zurück, die um 1100 durch die Grafen von Winzenburg weiter ausgebaut wurde. Nach dem Erlöschen des Geschlechts fiel sie an das Hochstift Hildesheim und wurde durch hildesheimische Ministeriale als Vögte (seit 1283 belegt) bzw. Amtmänner verwaltet.
Um die Burg entwickelte sich ein größeres Amt, dessen Sprengel vier Goen (Hasekenhäuser Go, Gehlenberger Go, Niedere Go, Alfeldische Go) umfasste und mehrere adelige Gerichte einschloss. Nachdem die Winzenburg seit dem 14. Jahrhundert den Rang einer bischöflichen Hauptburg verloren hatte, wurde das Amt wiederholt verpfändet. In der Hildesheimer Stiftsfehde wurde sie 1522 zerstört und verfiel. Ihr Abbruchmaterial wurde für den Bau des Wirtschaftshofs in Hasekenhusen verwandt, auf den Amt und Name Winzenburg übergingen.
Als Teil des Großen Stifts fiel das Amt Winzenburg in Quedlinburger Rezess 1523 an das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. 1643 wurde es an das Hochstift Hildesheim zurückgegeben. 1690 wurde die niedere Börde abgetrennt und zum Amt Gronau gelegt. 1802 fiel das gesamte Amt mit dem Hochstift an Preußen, 1807 an das Königreich Westphalen. Die alten Amtsstrukturen wurden unter westphälischer Herrschaft aufgelöst. Unter hannoverscher Herrschaft wurden sie 1815 wieder hergestellt, jedoch das Amt Winzenburg 1828 mit dem Amt Bilderlahe vereinigt. Aus einem Teil des ehemaligen Amtsgebiets wurde später das Amt Alfeld (Leine) gebildet.
Amt Bilderlahe | Dompropstei (Hildesheim) | Amt Gronau (Leine) | Amt Hunnesrück | Amt Liebenburg | Amt Marienburg | Amt Peine | Amt Poppenburg | Amt Ruthe | Amt Schladen | Amt Steinbrück | Amt Steuerwald | Amt Vienenburg | Amt Wiedelah | Amt Winzenburg | Amt Wohldenberg

Two Jazzers

Unter der Bezeichnung Two Jazzers traten die beiden ungarischen Sänger Lászlo Mocsányi (1903–1982) und Tibor Lakos (1903–1945) als Gesangsduettisten auf.

Beide wurden 1903 in Budapest geboren, haben in ihrer Jugend die gleiche Schule besucht und hatten eine gründliche musikalische Ausbildung hinter sich. Lakos hatte bei Emil Baré an der Budapester Musikhochschule studiert, Mocsanyi war Schüler an der Berliner Akademie der Künste bei Engelbert Humperdinck.
Mit 25 Jahren, am 3. Juli 1928, waren sie zum ersten Mal im Budapester Rundfunk zu hören. Im Herbst 1928 machten sie ihre erste Schallplattenaufnahme für die österreichische Columbia. Rasch wurden sie in Wien, bald in ganz Österreich, bekannt. Im Februar 1929 wurden sie an die berühmte Charell-Revue nach Berlin engagiert, danach ebendort an das nicht minder berühmte KaDeKo (Kabarett der Komiker). In Deutschland nahmen sie für die Plattenfirmen Homocord, Ultraphon und Artiphon (Hermann Eisner) auf, traten am 19. März 1929 am Berliner Rundfunk vors Mikrophon, und zogen das Interesse der “Terra”-Filmgesellschaft auf sich. Ende 1930 kehrten sie zurück nach Budapest. Vorher schon hatten prominente Orchester (wie Oscar Joost, Eddy Walis und Teddy Kline) ihre Darbietungen begleitet; nun aber hatten sie ihren ganz eigenen Stil entwickelt. Sie sangen vorwiegend auf Ungarisch, aber auch Deutsch und Englisch, boten jazzigen scat-Gesang mit Instrumenten-Imitation und komödiantische Einlagen. 1932 riefen sie die “Harlem Melody Band” ins Leben, mit der sie in den folgenden Jahren auf ihrem eigenen Etikett “Radius und Weekend” Aufnahmen machten und veröffentlichten. Für die Zeit nach 1934 fehlen verlässliche Nachrichten. Tibor Lakos starb 1945 in Budapest, nicht viel älter als Vierzig. Lászlo Mocsányi starb 1982 im Alter von 79 Jahren.

Oralverkehr

Oralverkehr (von lat. os, oris „Mund“) ist ein Sammelbegriff für Sexualpraktiken, bei denen ein Sexualpartner die Genitalien des anderen mit dem Mund (den Lippen, der Zunge, den Zähnen) stimuliert.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Arten des Oralverkehrs:

Umgangssprachliche Bezeichnungen für den Oralsex sind zum Beispiel es französisch machen für beide Varianten, blasen für Fellatio oder lecken für Cunnilingus. Für Fellatio wird inzwischen auch in Europa häufig der aus dem amerikanischen Englisch stammende Ausdruck Blowjob verwendet. Im Englischen werden ferner Bezeichnungen wie to go down on somebody oder to give head für beide Konstellationen verwendet. Jedoch bezeichnet „french kiss“ hier lediglich einen Zungenkuss und hat keine genitalen Konnotationen. Die gesellschaftliche Akzeptanz vieler Aspekte der Sexualität hat heute zu einer größeren Unbefangenheit im sprachlichen Umgang mit Oralsex geführt.
Oralverkehr wird von den meisten Menschen als eine reizvolle Möglichkeit empfunden, den Partner zu stimulieren und zum Orgasmus bringen zu können. Außerdem kann diese Praxis ein Teil im sexuellen Vorspiel sein, zum Beispiel um beim Mann eine Erektion und bei der Frau den Sekretfluss anzuregen.
Er kann von beiden Partnern als intensiv empfunden werden, weil die Geschlechtsorgane vom Mund und mit der Zunge zielgenau und auf variable Weise stimuliert werden können. Zudem handelt es sich dabei um eine besonders intime Geste, da der oder die Praktizierende Geruch und Geschmack der Genitalien intensiv wahrnimmt und darüber hinaus auch die Sinne (Hören, Sehen) und Fühlen beteiligt sind.
Oralsex gehört zu den verbreitetsten Sexualpraktiken neben dem vaginalen Verkehr und wurde zu allen Zeiten praktiziert. In einer US-amerikanischen Studie aus 1999 gaben 70 % der männlichen und 57 % der weiblichen Jugendlichen an, aktiv bei einem Partner Oralverkehr praktiziert zu haben, bevor sie das erste Mal Vaginalverkehr hatten. Da es nicht zur Penetration kommt, wird Oralverkehr teilweise nicht als „richtiger Sex“ empfunden. In der Lewinsky-Affäre behauptete US-Präsident Bill Clinton, keine sexuelle Beziehung mit Monica Lewinsky gehabt zu haben, da es nur zum Oralverkehr gekommen sei. In der aktuellen deutschen Rechtsprechung wird Oralverkehr nicht als Beischlaf gewertet, siehe Juristische Terminologie des Geschlechtsverkehrs.
In einigen antiken Kulturen, auch solchen, die sonst bei Sexualpraktiken eher tolerant waren, wurde der Oralverkehr – jedenfalls offiziell – abgelehnt. Möglicherweise lag dies an der damals höheren Infektionsgefahr durch die geringeren Möglichkeiten der Hygiene, wobei Infektionen sehr viel häufiger ernste Krankheiten zur Folge hatten, da moderne Medikamente noch nicht bekannt waren.
Die männlichen Genitalien, vor allem der Penis, aber auch die Hoden, werden mit Zunge und Lippen zur sexuellen Stimulation geleckt, geküsst und in den Mund genommen. Dabei ist es möglich, die Eichel mit der Zunge zu stimulieren, indem man mit ihr um diese kreist. Das Gleiche gilt auch für den Schaft und die Hoden. Es ist aber genauso möglich, die Eichel oder Teile des Penis in den Mund zu nehmen und leicht daran zu saugen. Die selektive Stimulation des Hodens wird als Teabagging bezeichnet.
Eine besondere Form der Fellatio ist die tiefe Aufnahme des erigierten Penis bis in den hinteren Rachenbereich, was nur bei (erlernter) absoluter Entspannung der Kehle möglich ist (siehe Deepthroating). Als besonders schwierig gilt diese Variante der Fellatio, wenn dabei der Samenerguss zugelassen werden soll. Dies setzt bei der aufnehmenden Person eine bestimmte Atemtechnik voraus, bei dem stimulierten Partner ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Selbstkontrolle und bei beiden ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Vertrauen.
Die weiblichen Genitalien, vor allem die Schamlippen, der Scheidenvorhof und insbesondere die Klitoris, werden mit Zunge und Lippen berührt. Auch der Vaginaleingang kann mit der Zunge stimuliert werden. Mittels Cunnilingus gelingt es leichter, die Frau zu besonders intensiven Orgasmen zu bringen, weil eine direkte Reizung der Klitoris möglich ist.
Die gegenseitige Anwendung von oraler Stimulation bei beiden Partnern wird als „Neunundsechzig“ bezeichnet – entsprechend der Form der beiden arabischen Ziffern 69.
Grundsätzlich gibt es bei dieser Technik zwei Varianten: Ein Partner liegt oben der andere unten. Die Position oben gilt gewöhnlich als die bequemere, da man in dieser Position eine bessere Kontrolle hat. In einer für beide Partner gleich bequemen Stellung liegen beide auf der Seite.
Auch wenn der Anus nicht ursprünglich zu den Geschlechtsorganen zählt, gehört die Stimulation des Afters mit Mund oder Zunge, der sogenannte Anilingus, doch zu den oralen Sexualtechniken. Sie wird auch als „zungenanal“ oder englisch als „Rimming“ oder „Rimjob“ bezeichnet. Der Anilingus reicht von ganz flüchtiger Berührung der Umgebung des Anus mit den Lippen bis hin zu intensiver Penetration mit der Zunge. Der Reiz besteht darin, dass der Anus ein hochsensibles, von vielen Nervenenden belegtes Körperteil ist, dessen Stimulation direkt oder durch die Nähe zu den Genitalien von vielen als sehr erotisch empfunden wird.
Eine amerikanische Studie vermutet, dass die beim Oralsex übertragbaren Humanen Papillomviren (HPV) Krebs der Mundschleimhaut (Plattenepithel-Ca) verursachen können. Da aber Alkohol- und Zigarettenkonsum die Hauptverursacher des Mundkrebses bleiben, raten die Wissenschaftler der Studie nicht zur Oralsexabstinenz. Zusätzlich ist zu beachten, dass kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen wurde, sondern lediglich ein rein quantitativer Vergleich in einer Stichprobe von 300 Personen durch Befragung vorliegt. Folgt man den Zahlen und nimmt einen kausalen Zusammenhang an, erhöht sich das absolute Risiko, Mund- und Rachenkrebs zu bekommen, nach Schätzungen von etwa 0,013 Prozent auf etwa 0,11 Prozent, auch dies (statistisch) erst bei Oralverkehr mit mehr als sechs Partnern. Unklar bleibt, welche Rolle ansonsten der Zeitpunkt, Zeitraum oder die Häufigkeit spielt.
Die Zahlen zur HPV-Verbreitung relativieren das Risiko weiter: Schätzungen zufolge ist fast ein Viertel aller Frauen unter 25 Jahren infiziert. Nur die wenigsten bekommen allerdings Krebs, der mit den Viren in Zusammenhang gebracht wird, etwa Gebärmutterhalskrebs. Bei den allermeisten bleibt die Ansteckung folgenlos: Schätzungen zufolge waren bis zu 60 Prozent der Gesamtbevölkerung schon einmal mit HPV infiziert und haben Antikörper im Blut.
Papillomaviren nisten sich häufig im Penis- und Scheidengewebe ein; HPV kann daher nicht nur beim Oralsex, sondern auch beim vaginalen Verkehr übertragen werden, außerdem möglicherweise auch beim Küssen.
Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhoe und Syphilis können durch Oralsex übertragen werden. Die durch Fellatio im Rachen übertragenen Primärläsion heißt Angina specifica. Weiterhin kann Oralverkehr Hepatitis B und besonders Anilingus Hepatitis A übertragen sowie natürlich alle Krankheiten, die bereits ohne direkten Körperkontakt ansteckend sind.
Die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Infektion ist gering, trotzdem wird nach allgemeiner Lehrmeinung empfohlen, beim Fellatio kein Sperma im Mund aufzunehmen und auf Cunnilingus während der Regelblutung zu verzichten oder ein Lecktuch zu benutzen. Um die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit HIV weiter zu minimieren, sollte der Verkehr nicht durchgeführt werden, wenn gröbere Verletzungen am Körper im allgemeinen oder den Verkehrsorganen im speziellen bestehen.
Nach der Überzeugung einiger christlicher Glaubensrichtungen dient Sex ausschließlich der Zeugung von Kindern. Daher werden sexuelle Praktiken mit einer anderen Zielsetzung als unerwünscht angesehen. Die Folgen dieser Überzeugung finden ihren Ausdruck in manchen Gesetzen von US-Staaten, die jedoch durch ein Urteil des Supreme Court im Jahre 2003 im Fall Lawrence v. Texas aufgehoben wurden.
Im Islam ist der orale Geschlechtsverkehr erlaubt, gilt jedoch als „makruh“ (eine Tat, die nicht empfohlen, aber geduldet wird).
Der Oralverkehr, wie auch der Analverkehr, sind im Judentum erlaubt. Jedoch sollte beides eher als Vorspiel gesehen werden, das letztlich zum Vaginalverkehr führt.
In Neuguinea spielte der Oralverkehr bei den animistisch geprägten Religionen bis zu deren Christianisierung eine wichtige Rolle im Kontext eines sexuellen Fetisch. Beispiele hierfür: die Sambia in Papua-Neuguinea.
In nahezu sämtlichen Ländern gibt es keine gesetzlichen Einschränkungen oder Vorschriften zu den beschriebenen Praktiken.
In Singapur wurde Oral- und Analverkehr für heterosexuelle Personen ab 16 Jahren erst im Oktober 2007 legalisiert.

Natallja Helach

Natallja Mikalajeuna Helach (weißrussisch Наталля Мікалаеўна Гелах, russisch Наталья Николаевна Гелах/Natalja Nikolajewna Gelach; * 30. Mai 1978 in Brest, Belarussische SSR) ist eine weißrussische Ruderin, die bei drei Olympiateilnahmen zwei Medaillen gewinnen konnte.
Natallja Helach gewann 2000 mit dem Achter ihre erste Weltcup-Regatta. Bei den Weltmeisterschaften 2000 gewann Helach in der nichtolympischen Bootsklasse Vierer ohne Steuerfrau ihren ersten Weltmeistertitel. Sieben Wochen später belegte sie bei den Olympischen Spielen in Sydney mit dem weißrussischen Achter den vierten Platz. Bei den Weltmeisterschaften 2001 in Luzern trat Natallja Helach in zwei Disziplinen an: mit dem Vierer ohne Steuerfrau erreichte sie den sechsten Platz, mit dem Achter belegte sie den fünften Platz.
2002 rückte Natallja Helach zu Julija Bitschyk in den Zweier ohne Steuerfrau, die beiden gewannen bei den Weltmeisterschaften in Sevilla die Bronzemedaille hinter den Rumäninnen und dem kanadischen Duo. In den Weltcup-Regatten 2003 gewannen im Zweier einmal die Rumäninnen, einmal die Britinnen und einmal die Kanadierinnen, Bitschyk und Helach waren einmal Vierte und zweimal Zweite. Bei den Weltmeisterschaften in Mailand siegten die Britinnen vor den beiden Weißrussinnen und den Rumäninnen. In der Olympiasaison 2004 trat Helach im Weltcup im Zweier ohne Steuerfrau und im Achter an, bei den Olympischen Spielen in Athen starteten Bitschyk und Helach im Zweier und gewannen die Bronzemedaille hinter den beiden rumänischen Weltmeisterinnen von 2002 und den britischen Weltmeisterinnen von 2003.
Bei den Weltmeisterschaften 2005 in Gifu startete Natallja Helach im Zweier ohne Steuerfrau und im Achter, konnte aber zu den Endläufen nicht antreten. Im Folgejahr belegte Helach den vierten Platz im Vierer ohne Steuerfrau und den elften Platz im Achter bei den Weltmeisterschaften in Eton. 2007 bildete Natallja Helach wieder zusammen mit Julija Bitschyk den weißrussischen Zweier ohne Steuerfrau. Bei den Weltmeisterschaften in München siegten die beiden vor dem deutschen Duo und den rumänischen Olympiasiegerinnen. Im Weltcup 2008 fuhren die beiden Weißrussinnen einmal auf den fünften und einmal auf den siebten Platz. Bei den Weltmeisterschaften auf den nichtolympischen Strecken gewannen die beiden zusammen mit Hanna Nachajewa und Olha Scherbatschenja im Vierer ohne Steuerfrau. Bei den Olympischen Spielen in Peking siegten die Rumäninnen Georgeta Andrunache und Viorica Susanu vor einem chinesischen Zweier, Bitschyk und Helach erhielten wie 2004 die Bronzemedaille. Zum Saisonabschluss 2008 gewannen Helach und Bitschyk mit dem weißrussischen Achter noch Europameisterschaftsbronze.
Nach einer Pause 2009 kehrte Natallja Helach 2010 zurück. Bei den Europameisterschaften siegte sie mit dem Vierer ohne Steuerfrau und belegte den sechsten Platz mit dem Achter, bei den Weltmeisterschaften in Bled startete sie mit Julija Bitschyk im Zweier ohne Steuerfrau, die beiden belegten aber nur den elften Platz. Zum Abschluss der Saison 2011 gewannen Bitschyk und Helach zwei Silbermedaillen bei den Europameisterschaften. 2012 versuchten Bitschyk und Helach in Luzern sich noch für die Olympischen Spiele in London zu qualifizieren, was weder im Zweier ohne Steuerfrau noch im Achter gelang. Bei ihrer letzten internationalen Regatta bei den Europameisterschaften 2012 belegte Helach mit dem Achter den vierten Platz.
(Olympische Spiele=OS; Weltmeisterschaften=WM; Europameisterschaften=EM)
1974: Ghita, Neascu (ROM) | 1975 & 1977: Dähne, Noack (DDR) | 1978 & 1979: Klier, Steindorf (DDR) | 1981: Rudolph, Anders (DDR) | 1982 & 1983: Fröhlich, Sandig (DDR) | 1985: Arba, Horvat (ROM) | 1986 & 1987: Arba, Homeghi (ROM) | 1989: Haacker, Zeidler (DDR) | 1990: Werremeier, Schwerzmann (GER) | 1991: Heddle, McBean (CAN) | 1993 & 1994: Cortin, Gossé (FRA) | 1995: Slatter, Still (AUS) | 1997 & 1998: Korn, Robinson (CAN) | 1999: Luke, Robinson (CAN) | 2001 & 2002: Damian, Susanu (ROM) | 2003: Grainger, Bishop (GBR) | 2005: Haigh, Coles (NZL) | 2006: Marquardt, Rumball (CAN) | 2007: Bitschyk, Helach (BLR) | 2009: Francia, Cafaro (USA) | 2010 & 2011: Haigh, Scown (NZL) | 2013: Glover, Swann (GBR) | 2014 & 2015: Glover, Stanning (GBR)
1989: Harzendorf, Justh, Strauch, Wagner (DDR) | 1990: Bălan, Bobeică-Bulie, Trașcă, Ciucanu-Robu (ROM) | 1991: Barnes, Doey, Monroe, Taylor (CAN) | 1993: Jing, Pei, Wang, Zhu (CHN) | 1994: Boelen, Meijer, van Schilfgaarde, de Jong (NED) | 1995: Brooks, Iverson, Nelson, Lewis (USA) | 1996: Dirksen, Field, Turner, Zegarra (USA) | 1997: Beever, Eyre, Henshilwood, Walker (GBR) | 1998: Andrjejewa, Fessenko, Proskura, Sawtschenko (UKR) | 1999: Bitschyk, Mikulitsch, Trazewskaja, Snak (BLR) | 2000: Basilewskaja, Helach, Trazewskaja, Snak (BLR) | 2001: Robinson, Wilson, Lutz, Roberts (AUS) | 2002: Larsen, Winter, Sattin, Roberts (AUS) | 2003: Malcos, Webber, Davies, Wilbur (USA) | 2004: Rossit, Foulon, Galy, Le Nepvou (FRA) | 2005: Smith, Martin, Frasca, Hornsey (AUS) | 2006: Smith, Lutz, Bradley, Hornsey (AUS) | 2007: McGee, Cafaro, Jeffers, Dirkmaat (USA) | 2008: Nachajewa, Scherbatschenja, Helach, Bitschyk (BLR) | 2009 & 2010: Achterberg, Kingma, Bouw, Dekker (NED) | 2011: Zelenka, Kohler, Regan, Hendershot (USA) | 2013: Huelskamp, Coffey, Gobbo, Mueller (USA) | 2014: Pratt, Bevan, Prendergast, Gowler (NZL) | 2015: O’Brien, Latz, Martelli, Luczak (USA)

Kirsten John

Kirsten John (* 18. Juli 1966 in Hannover) ist eine deutsche Schriftstellerin.

Kirsten John studierte bis 1993 Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität Hannover. Sie lebt und arbeitet als freie Schriftstellerin und Lektorin in Hannover und Amsterdam.
Für ihren Debütroman Schwimmen lernen in Blau (2001), der in mehrere Sprachen übersetzt wurde, erhielt sie unter anderem 2001 den Niedersächsischen Förderpreis für Literatur und 2002 den Kurt-Morawietz-Literaturpreis der Stadt Hannover. Sie erzählt darin die Lebensgeschichte der Malerin Katharina, „die ihre Geschichte mit der Farbenlehre interpretiert“. Der Roman wurde in den Feuilletons der NZZ, FR und SZ rezensiert. 2007 erhielt Kirsten John ein Jahresstipendium des Landes Niedersachsen für Literatur.
In der Folge veröffentlichte sie zahlreiche Kinder- und Jugendbücher. Über ihre Erzählung Gefährliche Kaninchen (2012) befand die Rezensentin Sonja Kessen im Kulturradio: „Mit einfachen klaren Worten erzählt die Autorin, wie Konflikte aufbrechen, die unter der Oberfläche wabern, wie man sich zeitweilig entfremdet und wie sich schließlich für alle Beteiligten neue Perspektiven eröffnen“. Unter dem Pseudonym Marie Lucas veröffentlichte Kirsten John 2013 den Jugendroman Zwischen Ewig und Jetzt.
2009 war John Gründungsmitglied von Lesestart Hannover.

Reginbert von Seldenbüren

Reginbert von Seldenbüren, heute Sellenbüren, auch Reinbert von Seldenbüren († 29. Dezember 964 in St. Blasien) ist der legendäre Gründer des benediktinischen Klosters St. Blasien im Schwarzwald.

Die Gründungsgeschichte des Klosters St. Blasien ist widersprüchlich. Bereits im 9. Jahrhundert bestand eine wohl von einem Adligen namens Sigemar im Jahr 856 oder 858 gegründete Einsiedelei im Schwarzwald. Sie wurde als Cella Alba oder Klause Albzell bezeichnet. Sigemar übergab sie wohl dem Kloster Rheinau. Die Cella Alba erhielt das Patrozinium St. Blasien, nachdem vom Kloster Rheinau aus Rom erhaltene Reliquien des Heiligen Blasius dorthin transferiert wurden.
Möglicherweise war das Kloster St. Blasien im 10. Jahrhundert zeitweise unbewohnt, wodurch es zu der Gründungsgeschichte, dass der Adlige Reginbert von Seldenbüren Gründer des Klosters St. Blasien gewesen sei, gekommen sein kann. Nachdem Reginbert als Eremit in den Schwarzwald gegangen sei, habe er sich in der Cella Alba niedergelassen, dem Kloster große Schenkungen gemacht und sei selber Benediktinermönch geworden. Seitdem galt er als hoch angesehener Gründer, Stifter und Wohltäter der Abtei.
Reginbert starb 964 und wurde in St. Blasien beerdigt. Seine Gebeine wurden im Jahr 1927 in den alten Mönchschor des Doms von St. Blasien umgebettet. Das war bereits 1739 nach dem Abbruch des alten Münsters und nochmals 1768 nach dem Brand geschehen.
Aus der Mitte oder dem Ende des 13. Jahrhunderts ist ein Buchkastendeckel erhalten, auf dem zentral Maria mit dem Kind im Arm dargestellt wird, links von ihr sieht man Reginbert in der Kleidung eines Edelmannes, rechts von ihr wurde Arnold II., Abt des Klosters St. Blasien in den Jahren 1247-1276, abgebildet. Dieses Kunstwerk befindet sich heute in der Kunstsammlung des Stiftes Sankt Paul im Lavanttal.
Das Kloster St. Blasien schmückt ein Fresko des beginnenden 20. Jahrhunderts, auf dem Reginbert seine Schenkung dem Heiligen Konrad, Bischof von Konstanz der Jahre 943–975, übergibt.
Der katholische Gedenktag Reginberts ist der 29. Dezember.

Manching

Manching ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm und liegt südöstlich von Ingolstadt. In der Nähe befindet sich eine Einrichtung für Testflüge Fliegerhorst Ingolstadt/Manching bestehend aus der Wehrtechnischen Dienststelle 61 der Bundeswehr für Luftfahrzeuge und dem Werksgelände von Airbus Defence and Space, einem Teil der Airbus Group.

Manching liegt in der Region Ingolstadt und besteht aus den Ortsteilen Manching, Oberstimm, Niederstimm, Pichl, Forstwiesen im Feilenmoos, Westenhausen, Lindach und Rottmannshart.
Vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. bestand ein keltisches Oppidum beim heutigen Manching.
Der Markt Manching gehörte seit 1505 zum Herzogtum Neuburg-Sulzbach und zum Landgericht Reichertshofen. Seit 1777 ist der Ort Teil des Kurfürstentums Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Am 1. Januar 1962 wurde ein Teil der aufgelösten Gemeinde Unsernherrn eingegliedert. Am 1. Januar 1971 kam Niederstimm hinzu. Pichl folgte am 1. Januar 1972. Im Jahr 1978 kamen noch Westenhausen am 1. Januar und Oberstimm am 1. Mai hinzu.
Bürgermeister:
Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 6,151 Millionen Euro, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 1,351 Millionen Euro.
Die Gemeinde Manching führt seit 1955 ein Wappen. Die Blasonierung lautet: „Gespalten von Silber und Blau; vorne ein aufrecht stehender schwarzer Schlüssel, hinten ein vorgeschichtlicher goldener Verschlusshaken in Pferdekopfform.“
Die denkmalgeschützte Manchinger Friedenskirche von 1958 gilt als ein besonders gelungenes Werk des Kirchenbauers Olaf Andreas Gulbransson (1916–1961), Sohn des Karikaturisten Olaf Gulbransson. Sie befindet sich am Eingang zu einem ehemaligen Fort der Bayerischen Landesfestung Ingolstadt und ist überwiegend aus Trümmersteinen dieses 1945 gesprengten Forts errichtet worden.
Airbus Group: in Manching befinden sich die Entwicklung und das Werk des Airbus Group-Geschäftsbereiches Airbus Defence and Space (ehemals Cassidian) mit derzeit ca. 4500 Mitarbeitern, dessen Zentrale im Dezember 2008 von Ottobrunn nach Manching verlegt wurde. Hier wurde der Prototyp des Eurofighters hergestellt. Derzeit befindet sich hier die Endmontage aller Eurofighter für die deutsche Luftwaffe sowie die Fertigung des Rumpfteils für alle Eurofightermodelle. Airbus Defence and Space nutzt den Flugplatz der Wehrtechnische Dienststelle 61 mit, dessen südliche Landebahn (07R/25L) mit 2940m Länge und 60m Breite zu einer der größten in Europa zählt und als offizielle Notlandebahn für das amerikanische Space Shuttle-Projekt ausgewiesen war.
Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft elf, im produzierenden Gewerbe 2.116 und im Bereich Handel und Verkehr 234 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 1.420 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 3.890. Im verarbeitenden Gewerbe gab es vier Betriebe, im Bauhauptgewerbe elf Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 84 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1.950 ha, davon waren 1.661 ha Ackerfläche und 279 ha Dauergrünfläche.
Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr mit seiner Wehrtechnischen Dienststelle 61 (WTD 61) auf dem Fliegerhorst Ingolstadt/Manching ist einer der größten Arbeitgeber der Marktgemeinde.
In Manching liegt auf dem Gelände der früheren Immelmann-Kaserne und an drei anderen Standorten das bundesweit erste Lager für Schnellabschiebungen, die „Ankunfts- und Rückführungseinrichtung I“. Sie wurde am 1. September 2015 eröffnet und geht auf einen Beschluss der bayerischen Staatsregierung zurück.Dort sind Asylbewerber mit geringer Bleibeperspektive untergebracht, meist aus Balkanstaaten. Sie werden teils abgeschoben, teils kehren sie freiwillig in ihre Heimatländer zurück. In Manching gibt es noch weitere Behörden, die für ähnliche Angelegenheiten zuständig sind.
Das Kelten-Römer-Museum zeigt Exponate aus der Zeit der Kelten und Römer aus dem Raum Manching.
(Stand: 2010)
Manching liegt an der Donautalbahn. Der Bahnhof wird von den Zügen allerdings ohne Halt durchfahren.
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