Regierungsbezirk Gumbinnen

Der preußische Regierungsbezirk Gumbinnen lag im äußersten Nordosten Preußens und seit 1871 des Deutschen Reiches. Er bestand von 1808 bis 1945, zunächst unter der Bezeichnung Regierungsbezirk Litthauen zu Gumbinnen. Zusammen mit dem Regierungsbezirk Ostpreußen zu Königsberg war er Bestandteil der Provinz Preußen und umfasste den Osten der Provinz.

Die Große Pest von 1709 bis 1711 hatte Gumbinnen besonders schwer getroffen. Im Juli 1724 wurde eine Deputation (Außenstelle) der Kriegskammer Königsberg in Gumbinnen eingerichtet. Sie war für die Hauptämter Insterburg, Memel, Ragnit und Tilsit zuständig. Am 19. August 1736 wurde die Deputation in eine eigenständige litthauische Kriegs- und Domänenkammer umgewandelt. Der Regierungsbezirk Gumbinnen entstand durch Umbenennung der litthauischen Kriegs- und Domainenkammer zu Gumbinnen durch das Publikandum vom 16. Dezember 1808.

Der Kreis Memel wurde auf Wunsch der Bürgerschaft der Stadt Memel schon zum 1. September 1816 der Regierung in Königsberg zugeordnet. Zum Ausgleich wurden zahlreiche Kirchspiele im Binnenland dem Gumbinner Bezirk zugewiesen. Sodann wurde die Kreiseinteilung überarbeitet, da die landrätlichen Kreise wegen ihrer zu großen Ausdehnung nicht der Vorgabe entsprachen, wonach es möglich sein sollte, innerhalb eines Tages vom entferntesten Ort des Kreises in die Kreisstadt – und zurück – zu reisen.

In der Regel sollte die größte Entfernung drei Meilen, also knapp 22 km, nicht übersteigen. Da ein Kreis zugleich zwischen 20.000 und 36.000 Einwohnern haben sollte, war der Zuschnitt der Kreise in den dünn bevölkerten „litauischen“ Kreisen recht mühsam, zumal alte Zugehörigkeiten zu berücksichtigen waren.

Nach Abschluss der Neuorganisation der unteren Verwaltungsbehörden bestanden dann seit 1. April 1819 insgesamt die 16 Kreise:

1896 wurden die Stadt Tilsit und 1901 die Stadt Insterburg kreisfrei, bildeten also eigene Stadtkreise.

Mit Wirkung ab 1. November 1905 wurden die vier südlichen Kreise (Johannisburg, Lötzen, Lyck und Sensburg) vom Regierungsbezirk Gumbinnen abgetrennt und zusammen mit dem Südteil des Bezirks Königsberg zum neuen Regierungsbezirk Allenstein zusammengefasst.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste das deutsche Reich das Memelgebiet abtreten. Die deutsche Verwaltung der nördlich des Flusses Memel liegenden Teils des Regierungsbezirks Gumbinnen endete. Der Landkreis Tilsit ging damit überwiegend verloren, während die Kreise Heydekrug, Niederung und Ragnit sowie der Stadtkreis Tilsit geteilt wurden. Die (wenigen) Gemarkungen des Rest-Kreises Heydekrug wurden 1922 dem Kreis Niederung, der selbst nur 4 Gemeinden eingebüßt hatte, zugeteilt. Der Landkreis Tilsit und der Kreis Ragnit wurden 1922 zum Kreis Tilsit-Ragnit zusammengeschlossen.

1938 wurden im Bezirk Gumbinnen 1146 Namen der insgesamt 1851 Gemeinden „germanisiert“.

Als durch Vertrag mit Litauen das Memelgebiet 1939 wieder an das Deutsche Reich zurückgegeben wurde, erhielt der Regierungsbezirk Gumbinnen die Aufsicht über den Stadtkreis Memel sowie die drei memelländischen Landkreise Memel, Heydekrug und Pogegen. Letzterer wurde noch 1939 aufgelöst und die Gemeinden auf die Landkreise Heydekrug und Tilsit-Ragnit verteilt. Abteilungsdirigenten leiteten 1939 die Allgemeine Abteilung (Regierungsvizepräsident Eichhart), die Abteilung für Kirchen und Schulen (Theisen) und die Landwirtschaftliche Abteilung (Karbe).

Letzte Veränderungen im territorialen Bestand des Bezirks ergaben sich aus der Annexion von polnischem Staatsgebiet um Suwałki und Augustow, das als Landkreis Suwalken im November 1939 dem Regierungsbezirk Gumbinnen zugeordnet und im Mai 1941 in Landkreis Sudauen umbenannt wurde. Im Jahre 1943 wurde ein Teil dieses Landkreises an den südöstlich benachbarten und nun ebenfalls annektierten Bezirk Bialystok abgegeben.

Die deutsche Verwaltung endete im Winter 1944/45 mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen und der Vertreibung der Deutschen. Der größte Teil des Regierungsbezirks Gumbinnen gehört heute zur Oblast Kaliningrad der Russischen Föderation, im Süden liegen heute die Powiate der Wojewodschaft Ermland-Masuren.

Der ganze Bezirk umfasste 1885 eine Fläche von 15.870 km². Die Einwohnerzahl betrug

Regierungsbezirke: Allenstein | Gumbinnen | Königsberg | Westpreußen (1922–1939) | Zichenau (1939–1945)

Stadtkreise: Allenstein | Elbing (1922–1939) | Insterburg | Königsberg | Tilsit

Landkreise: Allenstein | Angerapp (Darkehmen) | Angerburg | Bartenstein (Friedland) | Braunsberg | Darkehmen (Angerapp) | Ebenrode (Stallupönen) | Elchniederung (Niederung) | Fischhausen | Friedland (Bartenstein) | Gerdauen | Goldap | Gumbinnen | Heiligenbeil | Heilsberg | Heydekrug | Insterburg | Johannisburg | Königsberg | Labiau | Lötzen | Lyck | Memel | Mohrungen&nbsp

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1922–1939 angegliedert : Elbing | Marienburg (Westpr.) | Marienwerder | Rosenberg i. Westpr. | Stuhm 

1939 angegliedert : Mackeim | Mielau | Ostenburg | Plöhnen | Praschnitz | Scharfenwiese | Schröttersburg | Sichelberg | Sudauen | Zichenau