Schieberamsch

Schieberamsch ist eine inoffizielle Variante der Kartenspiele Skat und Schafkopf.
Der Schieberamsch ist eine Variante des Ramsch, bei der es ebenfalls Ziel des Spiels ist, möglichst keine Stiche zu machen. Es verliert derjenige Spieler, der die meisten Punkte erzielt und er bekommt diese als Minuspunkte aufgeschrieben.
Im Unterschied zum einfachen Ramsch darf der erste Spieler den Skat aufnehmen und dafür zwei Karten drücken, die er nicht gebrauchen kann. Danach gibt er die gedrückten Karten an den nächsten Spieler weiter, der dann wiederum zwei Karten drücken kann, die der dritte Spieler aufnimmt. Dieser drückt wieder zwei Karten und das Ramschspiel beginnt. Das Ramsch-Spiel folgt dabei den Regeln eines normalen Grand beim Skat, d. h. nur die Buben sind Trumpf.
Es gibt zwei Möglichkeiten, wer die Punkte aus dem Skat bekommt. Entweder der Spieler, der schon die meisten Augen hat, oder der Spieler, der den letzten Stich bekommt. Haben zwei Spieler die höchste Augenzahl beim Ramsch, wird der Skat dann beiden zugeschrieben. Man kann den Skat auch nicht aufnehmen, sondern „Schieben“. Wenn eine oder mehrere Personen schieben, werden die Minuspunkte des Verlierers doppelt (vier- oder achtfach, wenn 2 oder alle 3 Spieler schieben) gewertet.
Es ist meist verboten, Buben („Bauern“) zu drücken.
Wenn am Ende des Spieles ein Spieler keinen Stich bekommen hat, so ist er „Jungfrau“ geblieben und die Minuspunkte des Verlierers werden noch einmal verdoppelt.
Es gibt auch noch die Option der angesagten Jungfrau, wenn ein Spieler meint, er würde keinen Stich bekommen. Auch dies verdoppelt nochmal den Wert des Spiels. Für den Ansager kann dies allerdings gefährlich werden: Schafft er es nicht, Jungfrau zu bleiben, so ist das Spiel sofort beendet, d.h. sobald er einen Stich bekommt, auch wenn dieser Null Punkte zählt. Dieses verlorene Spiel wird mit 120 Minuspunkten bestraft.
Es ist zu beachten, dass die genannten Verdopplungen zu sehr hohen Verlustwerten führen können, wodurch der Ramsch ungewollt eine höhere Bedeutung als die normalen Skatspiele bekommen kann. Um dieses Ungleichgewicht zwischen Ramsch und regulärem Spiel zu entschärfen, kann auch jedes Schieben und eine Jungfrau nur zur Erhöhung des Multiplikationsfaktors der höchsten Punktzahl genommen werden. (1x Schieben doppelt, 2x Schieben dreifach, 3x Schieben vierfach, 3x Schieben + Jungfrau fünffach)
Die oben beschriebene Abrechnung nennt man oft „Augenramsch“ oder „Zahlenramsch“. Eine Variante des „Entschärfens“ besteht darin, dass dem Verlierer feste Punktwerte angeschrieben werden. So zählt einfach verloren 10 Minuspunkte; bei einer Jungfer 15 Minuspunkte und bei zwei Jungfern 20 Pluspunkte. Natürlich können auch höhere Werte vereinbart werden. Das Verdoppeln bzw. Erhöhen beim Schieben bleibt unberührt.
Wenn jedoch ein Spieler alle zehn Stiche bekommt, nennt man das einen „Durchmarsch“ und ihm werden beim Augenramsch 120 Pluspunkte aufgeschrieben. Verdopplungen durch Schieben werden dabei in der Regel gezählt.
Meist gilt die Regel, dass pro Schieberamschrunde jeder Spieler einmal die Möglichkeit hat, einen „Ausweich-Grand“ (Grand Hand) zu spielen. Oder es gilt die Regel, dass höchstens drei Grand Hand hintereinander gespielt werden dürfen, danach ist „Pflichtramsch“. Bei anderen Varianten gibt es keinerlei Beschränkungen hinsichtlich des Grand-Hand-Spielens.

Silvio Schirrmeister

Silvio Schirrmeister (* 7. Dezember 1988 in Neubrandenburg) ist ein deutscher Hürdensprinter.
Silvio Schirrmeister startet über 400 Meter Hürden. Bis 2008 war er für seinen Heimatverein SC Neubrandenburg aktiv, 2009 und 2010 für den Dresdner SC 1898 und seit 2011 für den LAC Erdgas Chemnitz. Der Bankkaufmann wird von Ulf Müller trainiert. Zunächst war er als Juniorensportler erfolgreich. 2007 gewann er in Hengelo den Titel bei den Junioren-Europameisterschaften, bei den U23-Europameisterschaften 2009 in Kaunas wurde er Fünfter. National gewann er 2007 den Titel über 400 Meter bei den Jugend-Hallenmeisterschaften, 2009 wurde er Juniorenmeister über 400 Meter Hürden.
Seit 2010 startet Schirrmeister bei den Männern. Bei den Deutschen Meisterschaften wurde er 2010 hinter Georg Fleischhauer Vizemeister, bei der Mannschafts-Europameisterschaft in Bergen gewann er mit der deutschen Mannschaft die Bronzemedaille. Aufgrund seiner Ausbildung verlief das Jahr 2011 weniger erfolgreich. Seinen Platz für die Europameisterschaften 2012 in Helsinki verlor er durch einen Sturz bei einem Testwettkampf kurz vor den kontinentalen Meisterschaften in Dresden an Tobias Giehl. Dennoch steigerte er seine persönliche Bestleistung bei einem Wettkampf in Regensburg auf 49,21 s. Damit unterbot er die deutsche Olympia-Norm um neun Hundertstelsekunden und wurde für die Olympischen Spiele 2012 in London nominiert, wo er als Vierter seines Vorlaufs in 50,21 s ausschied.
Bei der Leichtathletik-Team-Europameisterschaft 2013 gewann Schirrmeister in neuer persönlicher Bestleistung von 49,15 s, und schlug dabei Weltmeister David Greene. Zwei Wochen später wurde er Deutscher Meister.
Am 8. September 2015 verkündete er seinen sofortigen Abschied vom Leistungssport. Diesen begründete er mit einer harschen Kritik an der dualen Karriere, die er als „schrecklichste Kreatur, die der Deutsche Sport geschaffen hat“ bezeichnete

Georg Walter Rössner

Georg Walter Rössner, auch Roessner oder Rößner, (* 7. März 1885 in Leipzig; † 3. September 1972 in Gundelsby) war ein deutscher Maler und Graphiker.

Georg Walter Rössner wurde als Sohn eines Rechtsanwaltes geboren. Bereits als Gymnasiast nahm er 1903 Zeichenunterricht bei Georg Kolbe. Nach Übersiedlung der Familie 1904 nach Berlin nahm er weiter private Kurse in der Mal- und Modellschule des Bildhauers Arthur Lewin-Funcke, wobei seine Mal- und Zeichenversuche von Lovis Corinth korrigiert wurden. Von 1905 bis 1906 studierte er in Paris an der Académie Julian Porträtmalerei bei dem Porträtisten Marcel-André Baschet (1862–1941). Es folgten Studienaufenthalte in Holland, Belgien, Italien und Frankreich.
Ab 1906 wirkte er als Maler und Zeichner in Berlin, zeitweise in enger Zusammenarbeit mit Lovis Corinth. 1910 ging er nach München, weil er dort die 1. Ausstellung seiner Werke hatte; 1911 trat er der Münchner Sezession bei. Im selben Jahr kehrte er nach Berlin zurück, wo er ebenfalls an einer von der Berliner Sezession veranstalteten Ausstellung teilnahm. Von 1915 bis 1918 war Rössner zum Kriegsdienst eingezogen. 1920 trat er der Berliner Sezession bei und wurde von Max Liebermann gefördert, der ihm auch eine Anstellung als Zeichenlehrer und Professor an der Staatlichen Kunstschule in Berlin-Schöneberg verschaffte. Ab 1922 war er im Vorstand der Berliner Sezession, aus der er aber noch im selben Jahr nach Differenzen mit Corinth austrat. Er wurde nun Mitglied im Verband Berliner Künstler und erhielt ein Stipendium für die Villa Massimo in Rom. 1933 wurde er nach einem Streit mit Alexander Kanoldt von der Staatlichen Kunstschule an die Vereinigte Staatsschule für freie und angewandte Kunst als Lehrer für Porträt und Illustration versetzt. 1935 hatte er eine Einzelausstellung im Leipziger Kunstverein. Von 1935 bis 1939 war er als Austauschprofessor an der Kunstakademie in Santiago de Chile tätig. 1939 nach Berlin zurückgekehrt, widmete er sich besonders graphischen Arbeiten und Buchillustrationen, war aber auch ein gesuchter Porträtist. Dies hatte schon Karl Scheffler gerühmt, der anlässlich einer Heidelberger Ausstellung 1927 in der Zeitschrift Kunst und Künstler. Illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe, ihn als einen der wenigen Künstler bezeichnet hatte, die gleichgut Porträts malen und zeichnen konnten. Rössner hatte während seiner Lehrtätigkeit zahlreiche Schüler, die es später zu Ruhm und Ansehen gebracht haben: Hermann Poll gehörte dazu, aber auch so bekannte Künstler wie Ernst Straßner, Georg Netzband und Heinrich Ilgenfritz.
Nach dem Krieg zog sich Rössner auf seine 1943 erworbene Kate in Gundelsby in Angeln zurück, nachdem er aus Primkenau in Oberschlesien, wo er seit 1943 lebte, 1945 hatte fliehen müssen. Seine in Primkenau ausgelagerten Werke gingen dabei verloren. Rössner lebte und arbeitete von nun an in Schleswig-Holstein, ab 1947 auch in Schweden, wo er regelmäßig die Winter verbrachte. Er starb in Gundelsby am 3. September 1972. Anlässlich seines 100. Geburtstages veranstaltete das Stadtmuseum Flensburg vom 11. August bis zum 8. September 1985 eine große Ausstellung seiner Werke.

Annenstraße 9 (Wuppertal)

Die Villa Annenstraße 9 ist ein denkmalschütztes Gebäude im Wuppertaler Zooviertel, einer Villenkolonie, die als Denkmalbereich ausgewiesen ist. Sie wurde, laut einer Inschrift, 1902 errichtet.
Das Objekt ist eine mehrgeschossige Villa im Jugendstil mit zum Wohngeschoss ausgebautem Walmdach mit zahlreichen Gauben und Dachflächenfenster. Die Villa hat grundsätzlich einen rechteckigen Grundriss, dieser ist mit einem halbrunden erkerartigen Vorbau rechts der Eingangstüre mit einem trapezförmigen Grundriss nach Südwesten erweitert. Nach der Erbauung wurde zu späterer Zeit nach Nordosten der Grundriss mit einem Freisitz erweitert. Ein ehemals zum Gebäude gehöriger größerer Garten an der Jaegerstraße ist nicht mehr erhalten.
Trotz des Einbaus moderner Fenster und des Anbaus von Garagen, was das ursprüngliche Erscheinungsbild beeinträchtigt, wurde die Villa am 18. Oktober 1994 als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Wuppertal eingetragen. Sie gilt als ein frühes Beispiel der Jugendstilarchitektur in Wuppertal und ist im Zooviertel die einzige freistehende Villa mit durchgängigem Jugendstildekor.
51.2413234636117.1074397222222158Koordinaten: 51° 14′ 29″ N, 7° 6′ 27″ O

Manfred Rolf Langner

Manfred Rolf Langner (* 10. Februar 1958 in Wiesbaden) ist ein deutscher Theaterregisseur und Intendant.
Nach dem Abitur machte Langner zunächst eine Ausbildung in der hessischen Finanzverwaltung und studierte im Anschluss daran Jura an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Während des Studiums arbeitete Langner für verschiedene Fernsehproduzenten als Aufnahmeleiter und Filmgeschäftsführer. Am Staatstheater Darmstadt hospitierte er als Regieassistent und ging 1993 als Dramaturg und Regisseur an das Grenzlandtheater Aachen, dessen Intendanz er 1994 übernahm. Seit 2009 ist Langner Intendant der Schauspielbühnen in Stuttgart.
Neben seiner ständigen Tätigkeit an den Theatern in Aachen und Stuttgart ist Langner als Gastregisseur an zahlreichen Theatern in Berlin, Theater am Kurfürstendamm, Dresden, Komödie Dresden, Frankfurt, Fritz Remond Theater, Komödie, Köln, Theater am Dom oder München, Komödie im Bayerischen Hof sowie für mehrere Tourneetheater tätig.
Langner arbeitet außerdem als Autor sowie als Übersetzer für Theaterstücke aus dem Englischen oder Französischen.
Die Schauspielerin Kim Zarah Langner ist seine Tochter.

Ludwig Jacobi

Ludwig Herrmann Wilhelm Jacobi (* 31. März 1816 in Schwedt; † 11. Oktober 1882 in Berlin) war ein preußischer Beamter und Politiker.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Danzig studierte Jacobi in Berlin und Bonn. Anschließend unternahm er mehrere Reisen durch Deutschland und nach Paris um industrielle Studien zu betreiben.
Er war 1837 Auskulator am Oberlandesgericht in Posen. Er wurde 1840 zum Regierungsassessor ernannt. Er war als solcher in Danzig, Gumbinnen und Köslin tätig. Im Jahr 1844 wechselte er zur Generalkommission nach Münster. Jacobi war 1848 Hilfsarbeiter im Handelsministerium und ging 1849 im Range eines Regierungsrates zur Bezirksregierung nach Arnsberg. In dieser Zeit nahm er erheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung des Regierungsbezirks. Ab 1860 war er Geheimer Regierungsrat im Innenministerium. Aus politischen Gründen wurde er 1864 zur Regierung nach Liegnitz strafversetzt. Der Hintergrund war, dass er sich 1863 schriftlich gegen die nach seiner Ansicht verfassungswidrige Pressegesetzgebung geäußert hatte. Daraufhin wurde ihm eine ultraliberale Gesinnung unterstellt. Im Jahr 1882 schied Jacobi aus dem Staatsdienst aus.
Er war zwischen 1867 und 1882 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Dort gehörte er der Kommission für Handel und Gewerbe an. Von 1871 bis 1876 und noch einmal von 1881 bis 1882 war er auch Mitglied des Reichstages. Er gehörte der Nationalliberalen Partei an.
Er veröffentlichte verschiedene Schriften zur Gewerbestatistik im Regierungsbezirk Arnsberg. Sein Werk über das Berg-, Hütten- und Gewerbewesen im Regierungsbezirk Arnsberg von 1857 war die erste wirtschaftsstatistische Darstellung dieser Region. Er hat dort neben den reinen Zahlen auch gemahnt, die industrielle Entwicklung zum „Wohl der Menschheit“ zu gestalten. Unter anderem hat er die Gründung von Arbeiterunterstützungskassen gefordert. Er schrieb auch über die Zustände in Schlesien, über das Versicherungswesen und weitere Themen. Jacobi gab auch die Zeitschrift des Deutschen Beamtenvereins heraus. Er war Vorsitzender des Liegnitzer Vereins zur Unterstützung der Kriegerfamilien.

David Hope, Baron Hope of Craighead

James Arthur David Hope, Baron Hope of Craighead, KT, PC, QC (* 27. Juni 1938) ist ein schottischer Jurist und war von 2009 bis 2013 stellvertretender Präsident des Obersten Gerichtshofs des Vereinigten Königreichs.

Hope wurde als Sohn des aus Edinburgh stammenden Anwalts Arthur Henry Cecil Hope und dessen Frau Muriel Ann Neilson Collie geboren und gehört damit in die Adelslinie der Marquess of Linlithgow. Er heiratete 1966 Katharine Mary Kerr mit der er drei Kinder hat.
Seine schulische Bildung erhielt Hope an der Edinburgh Academy und der Rugby School. Nach seinem von 1957 bis 1959 dauernden Wehrdienst, den er bei den Seaforth Highlanders absolvierte und aus dem er als Oberleutnant ausschied, nahm Hope sein Studium der Rechtswissenschaften am St. John’s College in Cambridge auf, das er 1962 abschloss. Hieran schloss sich ein weiteres Studium an der Universität Edinburgh an. Nach dessen Abschluss wurde er 1965 als Rechtsanwalt zugelassen. 1974 trat Hope in den Staatsdienst ein und vertrat die britische Krone bei finanzrechtlichen Streitigkeiten. 1978 ernannte Elisabeth II. ihn zum Kronanwalt. 1985/1986 saß Hope sowohl dem Medical Appeal Tribunal als auch dem Pension Appeal Tribunal vor und war von 1986 bis 1989 Dekan der Faculty of Advocates.
1989 wurde Hope zum Richter am Obersten Gerichtshof Schottlands ernannt. Er übernahm sofort das Amt des Vorsitzenden Richters am Court of Session und des Obersten Richters von Schottland. 1995 wurde er als Baron Hope of Craighead, of Banff in the District of Perth and Kinross in den Adelsstand erhoben. 1996 übernahm er das Amt eines Lord of Appeal in Ordinary um am 1. Oktober 2009 als einer der ersten Richter am Obersten Gerichtshof des Vereinigten Königreichs die Arbeit aufzunehmen. Dort war er bis zum Ende seiner Amtszeit am 27. Juni 2013 stellvertretender Präsident.

Martin Kirschbaum

Martin Kirschbaum (* 19. Juli 1888 in Berlin; † unbekannt, nach 1950) war ein deutscher Kriminalbeamter.

Kirschbaum meldete sich im Sommer 1914 als Freiwilliger zur Teilnahme am Ersten Weltkrieg. Nach einer schweren Verletzung wurde er 1916 in die Heimat zurückgeschickt. Anschließend übernahm er die Spionageüberwachung bei der Militärpolizei in Stettin. Im Juli 1918 wurde Kirschbaum in die Politische Polizei in Berlin aufgenommen, wo er dem Oberregierungsrat Doyé zur Verfügung gestellt wurde.
1919 schloss Kirschbaum sich dem Freikorps Regiment Reinhard an. Während der revolutionären Wirren des Jahres 1919 leitete er die Nachrichtenabteilung der Streifkompanie Kessel, deren Aufgabe die Sammlung von Beweisen für „staats- und regierungsfeindliche Absichten“ war. So wurden Listen der Führer der Spartakusbewegung einschließlich Verzeichnissen von deren Aufenthaltsorten erarbeitet, mit deren Hilfe kurz vor Ausbruch des Märzaufstandes 1919 über 120 Führer der Spartakusbewegung von Angehörigen der Streifkompanie verhaftet wurden. Ferner war Kirschbaum an den Verhaftungen der Kommunistenführer Karl Radek und Leo Jogiches und an der Befreiung des Freikorpsführers Otto Marloh aus dem Gefängnis beteiligt.
In den 1920er Jahren nahm Kirschbaum eine Stellung als Ermittlungsbeamter und Geldeintreiber des Unternehmens Deutsche Familienkaufhaus GmbH (Defaka) an.
Mit dem Aufstieg der NS-Bewegung in den frühen 1930er Jahren begann Kirschbaum sich dieser anzunähern: Seit 1931 oder 1932 war er für die SA-Untergruppe Berlin Ost tätig, für die er Aufgaben als Nachrichtenmann und bei der Beschaffung von Waffen und Munition übernahm. Von einem offiziellen Eintritt in die SA und die NSDAP soll er während dieser Zeit abgesehen haben, um seine Tätigkeit als Nachrichtenmann nicht zu gefährden.
Kirschbaums offizieller Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnr. 3.010.824) erfolgte erst am 1. April 1933, wenige Wochen nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten. Freundschaftliche Bande unterhielt er zu dieser Zeit insbesondere zum Gruppenführer der Berliner SA Karl Ernst: für diesen organisierte er in der Defaka zu erheblich herabgesetzten Preisen die Ausstattung für seine Villa in Berlin-Dahlem im Jahr 1933. 1934 finanzierte Kirschbaum die Hochzeit Ernsts. Außerdem organisierte er seine Hochzeitsreise nach Madeira mit einem Dampfschiff der Norddeutschen Lloyd.
Am Mittag des 30. Junis 1934 wurde Kirschbaum anlässlich der als Röhm-Putsch bekannt gewordenen politischen Säuberungswelle vom Frühsommer 1934 in Bremerhaven als Begleiter von Ernst und seiner Ehefrau verhaftet, als die drei im Begriff waren, das Schiff zu besteigen, das sie auf ihre Hochzeitsreise nach Madeira bringen sollte. Ernst und Kirschbaum wurden einem SS-Kommando unter Führung von Kurt Gildisch übergeben, das sie im Flugzeug nach Berlin brachte. Während Ernst in der Kadettenanstalt Lichterfelde erschossen wurde, wurde Kirschbaum nur in Haft genommen. Da ihm eine Beteiligung an der angeblichen Revolte der SA-Führung nicht nachgewiesen werden konnte, wurde er schließlich wieder aus der Haft entlassen. Aufgrund seines fragwürdigen Gebarens in wirtschaftlichen Fragen – ihm wurden im Zusammenhang mit der Begünstigung Ernsts „dunkle Geldgeschäfte, die stark nach Korruption aussahen“ vorgeworfen – trat Kirschbaum jedoch, auf Druck der Geheimen Staatspolizei als „übler Geschäftemacher und Konjunkturritter“, der nur „um Geschäfte zu machen, der Partei und SA beigetreten sei“ und sich „an Ernst heranmachte“, aus der NSDAP und SA aus.
Seit 1936 betrieb Kirschbaum seine Wiederaufnahme in die NSDAP und die SA. Ob diese zustande kamen, ist ungeklärt. Es gelang Kirschbaum jedoch, eine Anstellung bei der Gestapo in Köln zu erhalten. 1941 leitete er dort das Amt zur „Bekämpfung des Marxismus“.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kirschbaum häufig fälschlich als Adjutant von Karl Ernst identifiziert und vor allem von der Forschergruppe um Walther Hofer und Edouard Calic als angeblicher Komplize von Ernst mit dem Reichstagsbrand vom Februar 1933 in Verbindung gebracht. Forscher wie Fritz Tobias und Uwe Backes sehen eine Involvierung Kirschbaums hingegen als widerlegt an.

Max Wehrli

Max Wehrli (* 17. September 1909 in Zürich; † 18. Dezember 1998 ebenda) war ein Schweizer Literaturwissenschaftler und Germanist.

Max Wehrli studierte von 1928 bis 1935 Germanistik und Griechisch an den Universitäten Zürich und Berlin (SoSe 1931). Zu seinen Lehrern zählten in dieser Zeit Emil Ermatinger, Albert Bachmann, Ernst Howald (alle Zürich), Arthur Hübner und Nicolai Hartmann (beide Berlin). 1935 wurde er in Zürich mit der Arbeit Johann Jakob Bodmer und die Geschichte der Literatur promoviert, 1937 habilitierte er sich mit der Untersuchung Das barocke Geschichtsbild in Lohensteins Arminius. Seit der Habilitation und nach dem Krieg war er zunächst Privatdozent, 1946 Titularprofessor und ab 1947 als Nachfolger von Robert Faesi ausserordentlicher Professor für Ältere deutsche Literatur. 1953 wurde er zum ordentlichen Professor für Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis 1700 ernannt. Mit seiner Ernennung wurde der Lehrstuhl offiziell um ein Fachgebiet erweitert, welches an allen anderen Universitäten zur Neugermanistik gerechnet wird, seit den frühesten Publikationen jedoch zu Wehrlis Kerninteressen zählte: das 16. und 17. Jahrhundert. Das Sommersemester 1955 verbrachte Max Wehrli als Gastprofessor an der Columbia University in New York. 1965 bis 1967 war er Dekan seiner Fakultät und 1970 bis 1972 Rektor der Universität Zürich. 1973, ein Jahr vor seiner Emeritierung, wurde er Präsident der Schweizerischen Hochschul-Rektoren-Konferenz, der er bis 1977 vorstand.
Zu Max Wehrlis Schülerinnen und Schülern gehören u.a.: Martin Bircher, Harald Burger, Peter Maurice Daly, Eleonore Frey-Staiger, Alois Maria Haas, Urs Herzog, Paul Michel, Klara Obermüller, Peter Rusterholz, Sibylle Rusterholz und Rosmarie Zeller-Thumm.
Das große Projekt Max Wehrlis war es, einen Verständniszusammenhang für die vormoderne deutschsprachige literarische Überlieferung zu entwerfen, bevor sie sich, im 18. Jahrhundert, als autonomes, alle Gattungen und Typen umfassendes Literatursystem konstituiert. Zu seinen Lehr- und Forschungsschwerpunkten zählten in diesem Rahmen das Hochmittelalter, der Barock, Zürich als Kulturstadt vom Mittelalter bis in die Moderne, Poetologie und vor allem die Literaturgeschichte. Bekannt ist schliesslich sein Interesse für die zeitgenössische Literatur. Zudem war Max Wehrli als Herausgeber bzw. Mitherausgeber zahlreicher wissenschaftlicher Reihen, Lexika, Handbücher und Festschriften tätig. Hervorzuheben ist auch seine Tätigkeit als Editor und Übersetzer literarischer Werke des Mittelalters und des Barock, von denen einige in die Reihe «Manesse Bibliothek der Weltliteratur» aufgenommen und so der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.
Drei Forschungsgebiete sind besonders hervorzuheben:
Max Wehrlis frühe Schrift «Allgemeine Literaturwissenschaft» von 1951, in der er den Stand der Germanistik seiner Zeit zusammenfassend und kritisch referiert, gliedert sich in zwei Hauptkapitel «Poetik» und «Literaturhistorie». Diese beiden ‹Interessen› können als durchaus charakteristisch für sein literaturwissenschaftliches Arbeiten verstanden werden. Sie lassen sich indes nicht problemlos miteinander kombinieren, sondern erzeugen ein Spannungsfeld: Unter «Poetik» fasst Wehrli 1951 die durch die werkimmanente Interpretation seiner Zeit geprägte Fragestellung nach dem Verhältnis von Form und Inhalt, Teil und Ganzem, die als nicht auflösbare Einheit betrachtet werden. Wehrli kritisiert im Kapitel «Literaturhistorie» diese Position als ahistorisch, da sie zu stark vom geschlossenen Einzeltext ausgehe und die Tradiertheit der Formen zu wenig berücksichtigt. Stattdessen fordert er, Epochen oder Stile als eigenständige «poetische Grössen» zu betrachten und deren interne Zusammenhänge und Dynamiken zu analysieren. Die systematische Analyse der «Poetik» eines Einzeltextes gewinnt somit ihre Legitimität erst dadurch, dass sie zugleich als Teil der «Poetik» einer Epoche oder einer literarhistorischen Bewegung gefasst wird. Dies führt zu einem dialektischen Wechselspiel eines historischen und eines systematischen Ansatzes, den Wehrli in seinen späteren Schriften «poetologisch» nennen wird. Insbesondere in seinem letzten Buch Literatur im deutschen Mittelalter. Eine poetologische Einführung (1984, aktuelle Aufl. 2006) werden systematisch die bildungs- und mediengeschichtlichen, literatursoziologisch-institutionellen, philosophisch-theologischen, rhetorischen, ästhetischen, hermeneutischen und formgeschichtlichen Kontexte entfaltet, in denen die Geschichtlichkeit der Literatur beschrieben werden kann.
Mit der Grundhaltung, stets den «unabdingbar geschichtlichen Charakter» literarischer Werke ins Zentrum der Beobachtung zu stellen, grenzt sich Max Wehrli explizit von der Vorstellung ab, Kunst sei etwas Überzeitliches und «ästhetische Vollkommenheit sei nur gegen die Geschichte möglich» – es gebe, so Wehrli, «gerade nichts Vergänglicheres als die vermeintlich zeitlose Kunst». Die Verstehensbedingungen für ein solches vergangenes Werk sieht Wehrli in seinem Konzept der poetologisch-hermeneutischen Auseinandersetzung, der dialektischen Begegnung zwischen der eigenen, aktuellen Situation des Rezipienten und der geschichtlichen Fremdheit des Gegenstandes. «Das Wagnis jedes literarhistorischen Verstehens besteht darin, lebendigen Gegenwartsbezug zu verwirklichen und zugleich den Gegenstand ganz aus sich selbst in seiner geschichtlichen Bedingtheit zu sehen. Es gilt die Werke der vergangenen, insbesondere mittelalterlichen Literatur als das Fremde, ganz andere, seinem Zeitgesetz Folgende zu sehen und sie zugleich in bereitwilligem Hinhören als ein Eigenes, Unverlierbares, ja vielleicht Aktuelles zu erfahren.» Dem Teleologie-Verdacht, dem jede chronologisch gegliederte Darstellung eines historischen Verlaufs notwendig ausgesetzt ist, setzt Wehrli ein Differenzierungs-Diktum entgegen: Sachlich wäre es «sinnlos, von Fortschritt oder Verfall zu sprechen und danach zu werten». Methodisch sei es indes unabdingbar, dass Literaturgeschichtsschreibung im Akt der Disposition und Gliederung des Materials einen inneren historischen Zusammenhang konstruiere – so wie er sich dem Verfasser der Literaturgeschichte jeweils darbiete: «Ein Sinn der Geschichte ist auch für die Literatur, mindestens wissenschaftlich nicht zu benennen. Wir können ihn höchstens postulieren auf Grund der Feststellung, dass die geschichtlichen Verläufe bei aller Dunkelheit und Chaotik immer wieder gestalthafte Züge und eine Richtung aufweisen.» Der hohe Stellenwert, den die Kategorien der Totalität, der Synthese und des Kontinuums in Wehrlis methodologischen Ausführungen einnehmen, bedingt zugleich eine drastische Relativierung: Literaturgeschichtsschreibung als Rekonstruktion eines historischen Zusammenhangs könne nie volle Wissenschaftlichkeit beanspruchen. Sie nehme eine «dubiose Stellung» zwischen Wissenschaft und Kunst ein, deren Legitimation durch die subjektive Auswahl und Kohärenzstiftung immer schon fragwürdig sei.
Max Wehrlis historisch-poetologischer Zugang bedingt ein spezifisches Epochenverständnis. Die Erweiterung des Faches Ältere deutsche Literatur um die Literatur bis 1700 an der Universität Zürich ist neben der individuellen Vorliebe vor allem wissenschaftliches Programm. Es geht um das Problem, die ältere deutsche Literatur in einen Verständniszusammenhang zu bringen; um eine Einordnung der frühen literarischen Zeugnisse, die nur diskontinuierlich und fragmentarisch greifbar sind, nur aus enger Bindung an ein ebenfalls fragmentarisch überkommenes lateinische Traditionsfeld und aus heterogenen Bezügen zur mündlichen volkssprachlichen Überlieferung sich entwickeln, und die anfänglich weit davon entfernt sind, ein institutionalisiertes, autonomes Literatursystem darzustellen. Dabei forderte das methodische Programm, der Literatur immer im Zusammenspiel von historischer Situation und systematischer Einordnung zu begegnen, einen analytischen Blick, der die fachgeschichtlich-administrativen Grenzen des universitären Betriebs notwendig überschreiten musste. Der spezifische Epochenbegriff ergibt sich aus dem Forschungsgegenstand der «Geschichte von Entstehung, Integration, Wandel eines solchen – niemals autonomen, immer offenen – [Literatur-]Systems. Es ist die Geschichte des Zusammenrückens isolierter Denkmäler, der verschiedenen Ansätze und Versuche zu einem Wirkungszusammenhang oder doch einer sinnvollen Konstellation, der Bildung bestimmter Traditionen mit ihren spezifischen Formtypen und Funktionen, immer im Gegenspiel zum gesamteuropäischen Latein und den anderen Volkssprachen in Europa. Entscheidend ist dabei nicht die Idee eines nationalen Geistes oder sonst einer mysteriösen Größe, sondern die schlichte Tatsache, daß ein literarisches System nach Typen, rhetorischen Formen, metrischen Ordnungen und Wortbedeutungen notwendig von einer sich gleichzeitig aufbauenden Sprache (in jedem Sinn) getragen wird.» Diese Epoche der deutschen Literatur ist erst im 18. Jahrhundert, oder sogar noch später, nach dem Zurückgehen auch des wissenschaftlichen Lateins abgeschlossen. In diesem Sinne wurde der Fachteil der Älteren deutschen Literatur an der Universität Zürich programmatisch von den Anfängen bis um 1700 angesetzt.
Die wissenschaftliche Arbeit Max Wehrlis wurde mit zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen im In- und Ausland gewürdigt: Honorary Member der Modern Language Association of America (1964), korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Heidelberg (1977), Göttingen (1981) und München (1983), Träger der Gold-Medaille des Goethe-Instituts (1970), des Kantons Zürich (1972) und des Gottfried-Keller-Preises der Martin-Bodmer-Stiftung (1979). Zudem war Max Wehrli 1955 Visiting Professor an der Columbia University New York, 1986 erhielt er von der Universität München die Ehrendoktorwürde.
Ausgaben und Übersetzungen

Catoplatus fabricii

Catoplatus fabricii ist eine Wanze aus der Familie der Netzwanzen (Tingidae).

Die Wanzen werden 3,7 bis 4,5 Millimeter lang. Der Vorderrand des Pronotums ist nahezu gerade, die Seitenränder sind leicht nach innen gekrümmt, besonders knapp hinter dem Kopf. Das dritte Glied der Fühler ist gleich dick wie das vierte. Die meisten Tiere haben voll entwickelte (makroptere) Flügel.
Die Art ist in Europa bis in den Süden der Britischen Inseln und in Skandinavien bis etwa zum 63. Breitengrad sowie östlich bis in den Süden Russlands und den Kaukasus verbreitet. In Mitteleuropa ist sie weit verbreitet und fehlt nur im norddeutschen Tiefland. Sie ist im Süden stellenweise häufiger, sonst ist sie eher selten. In den Alpen steigt sie bis etwa 1700 Meter Seehöhe. In Großbritannien ist sie im Wesentlichen im Süden Englands und Wales verbreitet. Besiedelt werden trockene, warme, offene Lebensräume, bevorzugt mit Kalkböden. Nur selten findet man sie auch auf sandigen und lehmigen Böden oder auf Ruderalflächen.
Die Tiere leben in Mitteleuropa an Magerwiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare), sonst findet man sie auch an anderen Korbblütlern (Asteraceae). Sie halten sich am Boden unter den Grundblättern oder auf den Pflanzen auf. Ihre Entwicklung erfolgt gleich wie bei Catoplatus carthusianus: die Paarung und Eiablage erfolgt im Mai, die adulten Tiere der neuen Generation treten im Juli oder August auf. Es wird nur eine Generation pro Jahr ausgebildet.